Sonneberg zu Gast in Oslo: Erasmus+Sport* macht's möglich

Sportstrukturen Norwegens hautnah erlebt

Anfang Dezember begab sich eine Delegation des Kreissportbundes Sonneberg auf eine Dienst- und Bildungsreise nach Norwegen. Im Rahmen von Erasmus+ Sport standen Sportstrukturen und der internationale Austausch im Mittelpunkt. Was folgte, war weit mehr als ein Fachprogramm – es war ein Erlebnis, das die weitere Arbeit im Sport und Ehrenamt nachhaltig prägen wird.

Das norwegische Modell unter der Lupe – Kommune, Sport und gesellschaftliche Verantwortung
Nach einer 18-stündigen Anreise stand der erste Tag ganz im Zeichen kommunaler und sportpolitischer Einblicke. Mari Nilsen von der Kommune Oslo empfing die Delegation zu einem informativen Gespräch. Besonders beeindruckend: Sportvereine sind selbstverwaltet, organisieren sämtliche Sportangebote eigenständig und stellen sogar Sportgeräte kostenlos zur Ausleihe bereit. Die Sportstätten sind in kommunaler Hand und werden finanziell und personell unterhalten.

Im Anschluss folgte eine Führung durch das imposante Rathaus von Oslo – eher Palast als Verwaltungsgebäude. Der Festsaal der Friedensnobelpreisverleihung, monumentale Wandgemälde zur Stadtgeschichte und feierliche Trauräume hinterließen bleibenden Eindruck. Höhepunkt war die Übergabe von Geschenken aus Sonneberg, darunter ein Sammler-Teddy der Martin-Bären sowie eine Grußbotschaft von Sonnebergs Bürgermeister Dr. Heiko Voigt.

Später folgten zwei zentrale Gesprächstermine: Beim Norges Idrettsforbund (Norwegischer Sportbund) wurden die Strukturen des Sports, die Vereinsentwicklung sowie die Gewinnung von Ehrenamtlichen und weitere Themen wie Integration und Inklusion erläutert. Besonders beindruckend war für die Teilnehmer der Organisationsgrad im Kinder- und Jugendbereich von 93 Prozent (vgl.Thüringen 50%). Danach gewährte der Norges Fotballforbund (Norwegischer Fußballbund) tiefe Einblicke in seine Philosophie: Fairness, Spaß, Mitbestimmung und das bewusste Verzichten auf Leistungsdruck im Kinder- und Jugendbereich - Wettkämpfe mit Platzierungen beginnen erst ab 13 Jahren. Marius L. Igesund erläuterte den Zertifizierungsprozess für ein Qualitätssiegel, in den alle Mitglieder einbezogen sind. Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Prinzip der Partizipation in den Sportvereinen in Norwegen tatsächlich gelebt wird.

Norwegen als Wintersportnation – Jeder ist willkommen!
Der kommende Tag führte die Gruppe an den legendären Holmenkollen. Im Skimuseum konnten Skisprung-, Alpin- und Langlaufsimulatoren ausprobiert werden. Der Geschäftsführer des „SV Kollenhopp“  Erlend Munkeby empfing uns direkt an der Schanze. In seinem Vortrag wurde deutlich, wie der Verein mit den Schulen und Eltern zusammenarbeitet sowie regelmäßig Talente ans Sportgymnasium delegiert. Er ließ uns tief in die Vereinsgeschichte eintauchen und berichtete voller Stolz von seinen Vereinsmitgliedern Riiber, Oftebro und Granerud. Zur gleichen Zeit kamen die Bauhofmitarbeiter der Kommune Oslo und wir konnten beim Präparieren der Schanze zusehen.

Auf der Biathlonanlage folgten exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Biathloncheftrainer Jon Kristian Svaland berichtete von familiären Strukturen im Sport, der zentralen Rolle der Eltern, individuellen Trainingsangeboten sowie Pilotprojekten wie digitalen Zielscheiben und Hitzetherapie. Besonders bemerkenswert: Schon die jüngsten Athleten trainieren mit echten Waffen – stets unter verpflichtender elterlicher Aufsicht. Tief eingebrannt haben sich die Worte von Svaland: „Bei uns ist jeder willkommen, es wird niemand weggeschickt.“

Lillehammer – Schule, Sport und Bildung neu gedacht
Zur Halbzeit besuchten die Sonneberger Lillehammer. Ein herzliches Willkommen in einer weiterführenden Schule offenbarte ein Bildungssystem mit großer Flexibilität: selbstverwaltete Schulen, vielfältige Bildungswege, gelebte Inklusion und eine enge Verzahnung von Schule und Vereinen. Sport wird hier als Gesundheitsförderung verstanden und Wettkämpfe finden ausschließlich über Vereine statt.

Nach dem schulischen Teil erklomm die Gruppe die über 900 Stufen der Lillehammer Skisprungschanze. Der Lohn: ein atemberaubender Ausblick und das seltene Erlebnis, Jugendtraining der Deutschen und Schweizer live mitzuerleben. Abgerundet wurde der Tag mit dem Besuch des Olympischen Museums.

Fußball, Kultur und große Emotionen
Am letzten Besuchstag gab es Einblicke in der Valle Hovin High School – eine kostenlose Fußball-Elite-Schule. Das Modell, finanziert durch die Kommune, ermöglicht auch finanziell schwächeren Jugendlichen eine hochwertige Ausbildung. Für die mitreisenden Fußballtrainer war der Austausch mit Lehrer und Trainer Pål Konradsen besonders wertvoll. Es konnten Parallelen zu den deutschen DFB-Strukturen gezogen werden und Geschenke des Thüringer Fußballverbandes überreicht werden. Pål brachte den Unterschied treffend auf den Punkt: „Indeed, it’s very different in your country than in Norway.“.

Am Nachmittag folgte ein Besuch des Holocaust Museums, bevor der Abend ganz unterschiedliche, aber gleichermaßen emotionale Höhepunkte bereithielt: Während ein Teil der Gruppe Mozarts „Die Zauberflöte“ in der Oper erlebte, fieberten andere beim Eishockey-Topspiel Vålerenga gegen Frisk Asker – erste Reihe, hautnah, pure Begeisterung.

Rückkehr mit Blick nach vorn
Am Freitagmorgen hieß es Abschied nehmen von Oslo. Was bleibt, ist ein einzigartiges Erlebnis: geprägt von Faszination, Inspiration und Begeisterung. In Erinnerung bleiben ebenso die große Freundlichkeit und Wertschätzung in allen Institutionen sowie der hohe Stellenwert, den der Sport in allen Lebensbereichen in Norwegen hat.

Diese Reise wird noch lange nachwirken – in Gesprächen, Projekten, Kooperationen und vielleicht auch in zukünftigen gemeinsamen Unternehmungen. Und wer weiß: Vielleicht sieht man „Sonneberg zu Gast in Oslo“ bald wieder – denn Zukunftspläne? Die gibt es. Ganz bestimmt.

Ein großes Dankeschön geht an die LIKRA Sonneberg, für die Stellung des Vereinsmobils, an die Stadt Sonneberg, an unsere 20-jährige Sprachmittlerin Lilly Großmann, die als nordische Kombiniererin seit 2021 in Oslo lebt, und alle weiteren Unterstützer dieses einzigartigen Projektes.

Gefördert wurde das Projekt durch das Erasmus+ Sport Programm der EU.

Sollte ein Sportverein Interesse an einem europäischen Austausch bekommen haben, steht der KSB Sonneberg gerne zur Auskunft bereit. Der Antragsschluss für Projekte des kommenden Jahres ist am 12.02. und am 01.10.2026. Weitere Infos können Sportvereine unter www.erasmusplus-sport.de erhalten oder konkret über die Antragssprechstunde am 08.01.2026 (www.jugendfuereuropa.de/veranstaltungen/antragssprechstunde-sport-jan-26/).

*„Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden.“

 

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